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Architektur·14. Mai 2026·8 min Lesezeit

WordPress Multisite vs. Multi-VPS — was Agenturen wirklich brauchen

Multisite klingt verlockend: ein Backend, viele Sites. In der Praxis ist es für Agenturen meist die falsche Wahl. Wir erklären warum — und welche Alternative besser skaliert.

SH
Sophie Halbritter
CTO

WordPress Multisite ist eine elegante Lösung — für genau den Use Case, für den sie 2010 erfunden wurde. Ein Verlag mit 30 Magazinen. Eine Universität mit 200 Lehrstuhl-Sites. Eine Konzernmarke mit Länder-Subsites.

Was Multisite nicht ist: die richtige Antwort für eine Agentur mit 47 unabhängigen Kundenprojekten.

Warum Agenturen zu Multisite greifen

Auf den ersten Blick scheint Multisite logisch:

  • Ein zentrales Backend
  • Plugins nur einmal updaten
  • Shared Themes
  • Niedrigere Hosting-Kosten

Wir verstehen das. Wir haben das selbst mal versucht. Mehrere Agenturen aus unserem Netzwerk auch. Hier ist, was wir gelernt haben.

Das Problem: kein echtes Isolations-Modell

Multisite ist nicht Multi-Tenant im Sinne moderner SaaS-Software. Alle Sites teilen sich:

  • Dieselbe Datenbank (in unterschiedlichen Präfix-Tabellen)
  • Denselben PHP-Worker-Pool
  • Dieselbe wp-content
  • Dieselbe wp-config

Heißt: ein gehacktes Plugin bei Kunde A öffnet potenziell Zugang zu Kunde B. Ein performance-fressender Cron bei Kunde C macht Kunde D langsam. Ein DSGVO-Vorfall bei einer Site ist ein DSGVO-Vorfall bei allen.

Das größere Problem: deine Kunden gehen irgendwann

Stell dir vor: Kunde A kündigt. Du musst die Site herausziehen — Datenbank, Uploads, Plugins, Themes — und sie einem neuen Hoster übergeben. Mit Multisite ist das ein Wochenprojekt. Mit eigenen VPS-Setups ist es ein Knopfdruck.

Die Alternative: Multi-VPS mit zentralem Dashboard

Was wir bei Agency-Hosting machen — und was die Architektur ist, die wir für Agenturen empfehlen — sieht so aus:

  • Pro Kundenprojekt: ein eigener VPS. Eigene IP, eigene PHP-Version, eigene Logs, eigene Backups.
  • Zentralisierte Verwaltung: ein Dashboard, das du als Agentur über alle VPS deiner Kunden hast.
  • Bulk-Aktionen: Plugin-Updates über alle Kundenprojekte gleichzeitig — aber jedes auf seinem eigenen System.
  • Isolation: wenn Kunde A gehackt wird, kann Kunde B nicht angegriffen werden.

Aber das ist teurer, oder?

Auf den ersten Blick ja. Bei uns kostet ein VPS 9,99 €–19,99 € im Monat. Bei 30 Kundenprojekten sind das 300–600 € statt vielleicht 100 € Multisite-Hosting.

Aber: rechne mal, was dich der nächste Hack kostet. Oder die Migration eines kündigenden Kunden. Oder ein DSGVO-Bußgeld, weil eine Plugin-Schwachstelle bei Kunde C alle anderen Kunden mit aufgedeckt hat.

Wann Multisite die richtige Wahl bleibt

  • Du hostest deine eigenen Sites (z. B. Landingpages für deine Agentur)
  • Alle Sites haben identische Themes, Plugins, Updates
  • Es gibt keinen Eigentümer-Wechsel (alles bleibt bei dir)

In allen anderen Fällen — und das ist die deutliche Mehrheit der Agentur-Use-Cases — sind eigene VPS pro Kundenprojekt die robustere Architektur.

TL;DR

Multisite löst ein Verlags-Problem. Du hast ein Agentur-Problem. Das ist nicht dasselbe.

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